Mittwoch, 25. November 2009

Moslem sucht eine Hütte: Suche erfolreich beendet

Lange nichts geschrieben. Einfach keine Zeit.

Weswegen?

Deswegen:

Wir haben eine Wohnung gefunden!

Eine, die vor dem Bezug renoviert werden muss. Also da geht meine Zeit hin.

Freue mich sehr auf das neue Zuhause!

Montag, 9. November 2009

Verschwiegenheit hoch drei!

Das Brot war alle und so wollte ich heute morgen Brötchen mit zur Arbeit nehmen. Da ich bei Kamps schon mal gehört habe, dass die Schweinefett in verwenden, bin ich zu einer anderen Bäckerei gegangen. (An den Namen kann ich mich nicht erinnern.) Da habe ich gefragt, ob bei denen Schweinefett verwendet wird.
"Nein, nein!", sicherte mit die Dame.
"Sicher?", fragte ich.
"Ja, ja" antwortete sie, schien aber eigentlich keine Ahnung zu haben.
Ich hakte nach: "Welche Art von Fett nutzen sie dann?"
"Keine!", behauptete sie. "Wir nehmen nur Mehl und Eier und Milch und Hefe."
"Ich backe doch auch," sagte ich, "irgendeine Art von Fett braucht man unbedingt." Und ich habe versucht ihr zu helfen: "Butter, Pflanzenöl..."
Dann kam die Hammer-Antwort: "Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich kann Ihnen doch nicht unsere Rezepte verraten!"

No komment!

Samstag, 24. Oktober 2009

Moslem sucht eine Hütte: Vol.4

Heute war die dritte Besichtigung. Die Anzeige war ohne Bilder, also hatten wir kaum Ahnung was uns erwartet. Laminatböden hörten sich erstmals gut an. Aber 3 Zimmer auf 56 m² zu dem Preis... Ich fürchtete eine Hacken.

Lage war super! Das ahnten wir schon, aber als wir dann vor dem Haus standen und die U-Bahn-Haltestelle 15 m entfernt war, dann war es deutlich. Ich würde von da aus zur Arbeit nur zwei Haltestellen brauchen!

Weitere Eindrücke: Gegensprechanlage mit verständlicher Tonqualität! Große Holztreppe (da wäre mir eine Steintreppe eigentlich lieber). Überall im Treppenhaus Blumentöpfe und sogar ein Paar Gemälden (hm, das ist wohl leider ein Haus, wo man nicht anonym für sich leben kann). Der Vermieter - ein älterer Mann, wohnt ein Stockwerk höher. Am Telefon und auch live sympatisch und nett.

Die Wohnung ist noch bewohnt, also konnten wir sehen, wie sie eingerichtet aussieht. Ich kann fast nur Positives sagen. Zustand gehoben, Zimmergröße perfekt, WC mit einem eigenem Waschbecken vom Badezimmer getrennt (genau so wünschen wir's). Schöne große Küche. Große Fenster, viel Licht! Schön, schön, schön!

Das einzig Negative - kein Anschluss für eine Waschmaschine, dafür gibt es einen Waschkeller. Ich bin kein Kellerfreund, ich möchte Nichts mit Spinnen zu tun haben. Und vom 3. Stock mit der Wäsche in den Keller zu rennen reizt mich nicht. Allerdings dürfte es doch nicht unmöglich und nicht allzuteuer sein in der Küche die nötigen Bedingungen herzurichten. Mein Vater hat sowas selbst gemacht. Ich habe zwar keine Ahnung, aber das dürfte doch in jeder Küche möglich sein. (Das Bad ist dafür zu klein.)

Fazit: Wir wollen die Wohnung. Sehr! Sicherlich sind wir nicht die Einzigen. Der Vermieter hat gesagt, seine Frau ist verreist, sie kommt heute Abend wieder. Sie ist die eigentliche Eigentümerin, sie entscheidet.

Warten und Dua (Bittgebet) machen. Ist die Wohnung gut für uns, so hilft Allah uns sie zu bekommen.

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27.10.09, um 19:34 Immer noch keine Nachricht, obwohl der Ehemann angedeutet hat, dass die Entscheidung noch am Wochenende fällt. Habe selbst angerufen, da ich sicher war, die haben sich gegen uns entschieden, und entschlossen uns gar nicht zu informieren. (Aus Prinzip werde ich jetzt immer so machen!) Die Eigentümerin selbst war am Telefon: Nein, sie hätten sich noch nicht entschieden, ich müsse mich noch etwas gedulden. Ich habe gefragt, ob sie noch mehr über uns wissen möchte, da sie gar keine Möglichkeit hatte uns kennenzulernen. "Nein, es ist schon in Ordnung so!" antwortete sie. Was soll man von so etwas halten?!!! 

28.10.09, um 21:18 Gerade eben kam die Absage. Per SMS! Es wird ja immer besser! Ich habe echt gedacht ältere Menschen haben bessere Manieren und mehr Mumm. Aber was meckere ich da, ich soll froh sein, dass ich überhaupt informiert wurde. (Ja, ich weiß, dass es nach Verbitterung klingt.)

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Fantastic

Bei der Arbeit

Eine Kundin hat wegen eines Systemfehlers ein Infoschreiben nicht erhalten. Das Gespräch lief sehr friedlich, ich sicherte ihr, dass ich ihr das Schreiben zuschicken werde.

Als wir uns verabschiedet hatten, legte sie nicht gleich auf, sondern sprach sofort mit jemandem bei sich im Raum:

Kundin: Die sind aber auch blöd bei den Stadtwerken!
Ich: Das habe ich jetzt aber gehört!
Kundin: Oh! -Klick!-

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Überarbeitet

Wenn ein Mensch längere Zeit keine 40 Wochenstunden mehr gemacht hat, werden ihm auch 32 verhängnisvoll.

Bei uns sind 2 krankgeschrieben (keine Schweinegrippe!) und eine in Urlaub. In einem kleinen Team ist es eine mittlere Katastrophe! Wenn ich drei Tage hintereinander 8-Stunden-Schichten schieben muss, bin ich abends fertig. Aber nicht so, dass ich nicht reden möchte, obwohl ich heute zum Beispiel mit etwa 70 Menschen gesprochen habe. Und wenn mein Mann dann gerade an so einem Abend arbeiten muss, fehlt er mir ganz besonders.

Was ich mit dem ganzen sagen will...

Ich habe keinen Point...

Ich wollte nur jammern. ;-)

Und noch eine Frage: Wie gewöhnt man sich daran jeden Tag zur Arbeit zu gehen? Ich mache das jetzt schon seit einem Jahr und frage mich immer noch, wann das "normale" Leben wieder zurückkehrt. (Bin wohl eine Studentin mit Leib und Seele. Eine faule Studentin. Ich bin einfach so unheimlich gerne zu Hause!)

Montag, 19. Oktober 2009

Sura 13 - Ar-Ra'd (der Donner)

Ich habe mir heute auf dem Heimweg die Sura 13 angehört und bemerkt, wie perfekt darin viele zentrale Aussagen des Islams zusammengefasst werden. 

Vorgetragen von Dr. Kai Ali Rashid Lühr aus der Übersetzung von Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul "Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur´an Al-Karim" 

video

Foto: © Karl-Heinz Laube / PIXELIO


Freitag, 9. Oktober 2009

Moslem sucht eine Hütte: Vol.3

Heute morgen kam die Absage. Wir sind aber gar nicht traurig. Ok, die Wohnung war schön und günstig, aber... Dann ist die Wohnung wohl nicht gut für uns. Wir glauben nämlich, dass alles, was uns trifft, gut für uns ist, auch wenn es uns anfangs anders scheint.
Genau deswegen sagt ein Moslem - egal, ob ihn was Gutes oder Schlechtes trifft - ALHAMDULILLAH! ("gelobt sei Gott" d.h. Gott sei Dank!)

Also: ALHAMDULILLAH! Und die Suche geht weiter.

Samstag, 3. Oktober 2009

Moslem sucht eine Hütte: Vol.2

Heute war die zweite Besichtigung. Wir wollen die Wohnung haben. Schön, modern geschnitten, bezahlbar. Minuspunkte für Bad ohne Fenster und 17. Stockwerk, aber dafür so schön und so gut geschnitten und so bezahlbar, dass die Minuspunkte gestrichen sind.

Man hat uns genaue Fragen zu unseren Finanzen gestellt, auch wird die Firma sich über uns bei SCHUFA erkundigen. Da haben wir nichts dagegen. Es gibt aber viele Interessenten. Unsere Chancen stehen nicht gut. Innerhalb der nächsten Woche erfahren wir's.

Angeblich entscheidet das Büro. Der Vertreter der Firma, der uns die Wohnung gezeigt hat, wird aber sicherlich auch seine Beurteilung über die Bewerber abgeben. Da haben wir nichts Gutes zu erwarten. Das Gespräch ging nämlich kurz auch auf Islam. Dann sagte der Makler: "Nicht die Religion prägt den Charakter, sondern der Charakter eines Menschen prägt die Religion." Das konnte mein Mann nicht so stehen lassen. "Man kann das Auto nicht nach dem Fahrer beurteilen," sagte er. Der Makler wirkte etwas verärgert. Also von ihm bekommen wir wohl keine Empfehlung.

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Die Maklerin von Mittwoch, die mir einen Rückruf versprochen hat, hat sich übrigens immer noch nicht gemeldet. Ich denke, am Montag hört sie von mir.

NACHTRAG: 1,5 Wochen nach dieser Besichtigung, rief ich die Maklerin an. Sie habe sich nicht gemeldet, weil die Wohnung doch nicht zu haben sei. Ich frage mich, wenn sie mit ihrer besten Freundin vereinbart hat, man geht am Abend ins Kino, und sie verpflichtet sich einen guten Film herauszufinden. Wenn sie dann Nichts gutes findet, meldet sie sich dann einfach so nicht mehr bei der Freundin?

Mittwoch, 30. September 2009

Moslem sucht eine Hütte

Ich starte hiermit eine Wochenserie. Wir suchen eine neue Wohnung, ich und mein Mann. Letztes mal vor 5 Jahren haben manche Immobilienmakler uns nicht gerade gut behandelt. So mancher hat sich nachdem er uns kennengelernt hat, nicht mehr gemeldet, obwohl er versprochen hatte sich zu melden auch wenn wir die Wohnung nicht bekommen. Ok, damals waren wir beide Studenten. Möglicherweise galten wir als nicht zahlungsfähig genug. Es konnte aber auch an meinem Kopftuch liegen, oder daran, dass wir beide Ausländer sind.

Mal sehen, wie es diesmal läuft. Heute hatten wir die erste Besichtigung. Die Maklerin hatte sich gut unter Kontrole, wenn es ihr was ausgemacht hat, dass wir Ausländer und Muslime sind. Sie war höflich.

Die Wohnung war aber nichts. Erdgeschoss im wahren Sinne. So tief, dass man leicht durchs Fenster hereinkommt. Und alle Fenster sind in Richtung eines dunklen ungepflegten Gartens. Die Zimmer waren eigentlich ganz in Ordnung, aber diese Fensterlage...
Also, ausgeschlossen!
Am Samstag haben wir den nächsten Termin.

Mal sehen, wie es diesmal läuft. Hoffentlich wird es nicht so dämlich, wie in diesem russischen Trickfilm aus meiner Kindheit.
Der estnische Titel lautete übrigens: Leopard sucht eine Hütte.
Keine Russischkenntnisse nötig!

Montag, 28. September 2009

Vom blinden Glauben

Manche religionslose Menschen halten den Glauben eines Gläubigen für blind. Sie halten uns für hirnlos und feige. Sie denken, wir denken nicht nach. Sie sagen, wir glauben, weil wir Angst vor dem Leben haben.

Jedoch sind gerade sie diejenigen, die blind sind. Woran sie glauben, basiert auf nichts mit Gewicht! Nur auf eingener Vermutungen. Wogegen z. B. ein Moslem Wissen hat! Dieses Wissen stammt aus dem Koran und Koran ist das Wort Gottes. Also glauben wir nicht blind, wir wissen, was und warum wir glauben.

Jetzt sagt derjenige, der uns für blind hält: "Ihr glaubt ja blind, dass Koran das Wort Gottes ist!" Daraufhin kann ich nur empfehlen: Lies! Lies im Koran!

Warum bin ich Moslem geworden? Genau wegen dieses Buches! Als ich das zum ersten mal gelesen habe, habe ich gleich erkannt, dass es nicht von einem Menschen stammen kann. Und dabei habe ich damals die wissenschaftlichen Wunder des Korans noch nicht gekannt! Der arabischen Sprache nicht mächtig, entging mir auch die besondere Schönheit der Sprache des Korans, was für Muttersprachler ebenfalls ein Beweis für den Göttlichen Ursprung dieses Buches ist. Es ist schwer zu beschreiben, wodurch ich das erkannt habe. Hauptsächlich wohl dadurch, dass Koran so anders ist als alles, was ich je gelesen habe. Im ersten Blick sogar chaotisch, so ein systemloses Durcheinander. Themaänderungen geschehen scheinbar willkürlich. Allah spricht über sich mit drei unterschiedlichen Personalpronomina (Ich, Er, Wir), so dass der Anfänger verwirrt sein kann, wer gerade gemeint wird. Kein Mensch schreibt so!

Und welche Kraft diese Wörter haben! Man spürt sie sogar, wenn man eine Übersetzung liest. Jawohl, dieses Buch ist besonders und unnachahmlich! So steht es auch darin:

2.23. Und wenn ihr im Zweifel über das seid, was Wir Unserem Diener offenbart haben, dann bringt doch eine Sura gleicher Art bei und ruft eure Zeugen außer Allah an, wenn ihr wahrhaftig seid!

11.13. Oder sagen sie: „Er hat ihn ersonnen" Sag: Dann bringt doch zehn ersonnene Suren bei, die ihm gleich sind, und ruft an, wen ihr könnt, außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid.

17.88. Sag: Wenn sich die Menschen und die Ginn zusammentäten, um etwas beizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, sie brächten nicht seinesgleichen bei, auch wenn sie einander Beistand leisten würden.

Also glaube ich nicht blind. Ich glaube daran, was Allah mich wissen lassen hat! Der Ungläubige dagegen bleibt völlig ahnungslos. Gerade er ist der Blinde, der die Zeichen Allahs nicht sieht:
2.164. In der Schöpfung der Himmel und der Erde; im Unterschied von Nacht und Tag; in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt; darin, daß Allah Wasser vom Himmel herabkommen läßt, und damit dann die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht und auf ihr allerlei Tiere sich ausbreiten läßt; und im Wechsel der Winde und der Wolken, die zwischen Himmel und Erde dienstbar gemacht sind, sind wahrlich Zeichen für Leute, die begreifen.

Und in Sura 6 steht:

95. Allah ist es, Der die Körner und die Kerne spaltet und das Lebendige aus dem Toten hervorbringt. Und (Er ist es,) Der das Tote aus dem Lebendigen hervorbringt. Dies ist doch Allah - wie laßt ihr euch also abwendig machen?-,
96. Er, Der den Morgen anbrechen läßt'. Er hat die Nacht zur Ruhe(zeit) und die Sonne und den Mond als (Mittel der) Berechnung gemacht. Das ist die Anordnung des Allmächtigen und Allwissenden.
97. Und Er ist es, Der euch die Sterne gemacht hat, damit ihr euch durch sie rechtleiten laßt in den Finsternissen des Festlandes und des Meeres. Wir haben ja die Zeichen ausführlich dargelegt für Leute, die Bescheid wissen.
98. Und Er ist es, Der euch aus einem einzigen Wesen hat entstehen lassen. Dann gibt es einen Aufenthaltsort und einen Aufbewahrungsort. Wir haben die Zeichen ausführlich dargelegt für Leute, die verstehen.
99. Und Er ist es, Der vom Himmel Wasser herabkommen läßt. Damit bringen Wir den Wuchs aller Arten hervor; aus ihnen bringen Wir dann Grün hervor, aus dem Wir übereinandergeschichtete Körner hervorbringen - und aus den Palmen, aus ihren Blütenscheiden (entstehen) herabhängende Dattelbüschel -, und (auch) Gärten mit Rebstöcken und die Öl- und die Granatapfelbäume, die einander ähnlich und unähnlich sind. Schaut ihre Früchte an, wenn sie Früchte tragen, und (schaut) auf deren Reife! Seht, darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die glauben.
(...)
104. Zu euch sind nunmehr einsicht bringende Zeichen von eurem Herrn gekommen. Wer einsichtig wird, der ist es zu seinem eigenen Vorteil, und wer blind ist, der ist es zu seinem eigenen Nachteil.

Und noch was zum Blindsein:

22.45. Wie viele Städte, die Unrecht taten, vernichteten Wir, so daß sie wüst in Trümmern lagen, und (wie viele nun) verlassene Brunnen und hochragende Schlösser!
22.46. Reisen sie denn nicht auf der Erde umher, so daß sie Herzen bekommen, mit denen sie begreifen, oder Ohren, mit denen sie hören? Denn nicht die Blicke sind blind, sondern blind sind die Herzen, die in den Brüsten sind.

Der edle Qur'an

Der gesamte Koran als MP3 Hörbuch

Wissenschaftliche Erkenntnisse im Koran

Sonntag, 27. September 2009

"Tagebuch eines deutschen Muslims" Dr. Murad W. Hofmann

"EINEN SOLCHEN UNFALL ÜBERLEBT MAN NICHT!

Holly Springs, Mississippi, 28. Juni 1951
In meinem Koffer wenig mehr als meine Kellnermontur, war ich schon seit 14 Tagen „per Anhalter" unterwegs, um von New Jersey aus über Florida den Westen der Vereinigten Staaten zu erleben. Die letzte Etappe, Atlanta, Georgia, lag weit hinter mir und die nächste, Memphis, Tennessee, schien nur noch eine Frage von Autominuten zu sein. Da tauchte ein Schatten vor uns auf. Der Fahrer versuchte, den Fuß vom Gashebel zu nehmen. Von Bremsen auf beiden Seiten keine Spur. „Head-on collision" hieß es tagsdrauf in der Lokalzeitung. „Betrunkene kreuzen auf falsche Seite der Autobahn." Im Krankenhaus konstatierte man Oberkieferbruch, 19 herausgeschlagene Zähne, zerfetzte Unterlippe, ausgekugelten Arm und ein Loch am Knie, jedoch weder Gehirnerschütterung noch Schock. Dabei waren die beiden Chevrolets mit einer addierten Geschwindigkeit von ca. 155 km/h frontal zusammengestoßen. Mit gleicher Überlebenschance hätte ich vom fünften Stock eines Gebäudes springen können.

Während der Gesichtsoperation fragte der Chirurg die Narkoseschwester, wie ich wohl früher ausgesehen habe. Mit dem Kopf weise ich auf meinen Pass in der Gesäßtasche der Jeans hin. Der Arzt betrachtet lange abwechselnd mein Passfoto und meine inzwischen entgleisten Gesichtszüge und meint dann verlegen, ich könne mich ja in ein paar Jahren einer Schönheitsoperation unterziehen ... Und dann, während er mir für die erste Nacht eine Morphiumspritze gibt, sagt der Chirurg unvermittelt: „Einen solchen Unfall überlebt man nicht. Mein Lieber, Gott hat mit Dir noch etwas ganz besonderes vor!" Erst am 25. September 1980, über 29 Jahre später, glaubte ich zu verstehen."


Tagebuch eines deutschen Muslims
Murad W. Hofmann

Montag, 21. September 2009

Bilanz des letzten Monats

Gefastete Tage - 29

Verlorene Kilos - 2

Gewonnene Hasanat - Unmengen, inschAllah

________________________________

Hasanat sind gute Taten (sowas wie Pluspunkte) im Gegensatz zu den schlechten Taten; beide werden am Gerichtstag auf die Waage gestellt.

Samstag, 19. September 2009

Hilal ist da !!!

Die ganze islamische Welt blickt heute Nacht in den Himmel. Man sucht den Neumond - Hilal.

Schon um 14:39 erreichte mich eine Mail mit Eid-Grüßen aus Australien. Die haben ja alles vor uns! Aber: Haben sie den Hilal wirklich gesehen oder nur berechnet???

Jetzt gegen Sonnenuntergang habe ich dann angefangen im Internet nach weiteren Nachrichten zu suchen. Da ich kein Arabisch kann, sind die Möglichkeiten etwas begrenzt. Habe versucht eine vertrauenswürdige australische Webseite wieder zu finden, die ich mal kannte. Erfolglos.

www.mondsichtung.de hinkt leider aller mündlichen Nachrichten etwas hinterher. So auch heute.

Dann aber auf www.einladungzumparadies.de die Klarheit:

"Der Neumond wurde heute Abend in Saudi Arabien gesichtet und deshalb haben wir morgen Iid ul-Fitr!"

Eben habe ich dann auch den Beweis gefunden, dass die Schwester aus Australien recht hatte. Die englichsprachige Version von Mondsichtung, http://moonsighting.com/ berichtet:

"Moon has been seen in Western Australia on Sep. 19 (Saturday). Eid is expected on Sunday, Sep. 20, Insha-Allah in most places around the world."

EID MUBARAK!

Freitag, 18. September 2009

Vorbereitungen auf Eid - Alexanderkuchen

Am Sonntag ist vermutlich das Eid-Fest - das sogenannte Fastenbrechenfest. Wir sind zu einem Eid-Frühstück bei Freunden eingeladen, das nach dem Eid-Gebet stattfindet. 

Habe lange überlegt, was ich dafür vorbereiten soll. Man liest oft - wie z. B. in Wikipedia - dass die Muslime sich zum Eid gegenseitig Geschenke machen. Mir ist nichts derartiges  aus der Sunnah bekannt. Ok, es gibt Sachen, die ich nicht weiß, aber auch nach ca 30 Minuten Nachforschungen habe ich keine Bestätigung gefunden, dass die Tradition des Schenkens zum Eid in der Sunnah befestigt wäre. Also, Thema erledigt.

Mit leeren Händen mag ich aber nicht gehen. Bin doch eine typische Estin. :-)

Habe mir also was überlegt. Ist nicht ursprünglich Estnisch, kommt aber wohl aus der Gegend. Es heißt Alexanderkuchen und stammt angeblich aus Finnland. Da soll ein schweizer Konditor diesen Kuchen zum Empfang des russischen Zaren Alexander I. erfunden haben. Verbreitet ist der Kuchen sowohl in Finnland und Estland als auch in Lettland und Litauen.

Er ist einfach zu machen, sieht aber fein aus. (Hm, nicht auf meinem Foto natürlich - was das Ablichten meiner kulinarischen Leistungen angeht, bin ich eine echte Niete. Mindestens habe ich diesmal die Ausrede, dass ich ja für das Shooting das hässlichste Stück nehmen musste, die Hübschen sind alle fürs Eid. Dass ich mir jetzt aber richtig Mühe gemacht habe, um das hässliche Entlein möglichst schön zu präsentieren, kann ich allerdings auch nicht behaupten.)
Hier kommt das Rezept:

Alexanderkuchen
(est. "Aleksandrikook" und finn. "Aleksanterin leivos")

200 g Butter
1 dl Zucker
1 Ei
4,5 dl Mehl
1 TL Vanillezucker
1 TL Backpulver
etwas Salz

Butter bei Zimmertemperaturen weich werden lassen und Zucker dazugeben. Umrühren. Die restlichen Zutaten dazugeben und zum Teig kneten. Auf ein Backpapier legen und in Blechgröße ausrollen. Bei ca 200 Grad 10-15 Minuten backen. Rausnehmen und in zwei Hälften schneiden, solange es noch warm ist.
Auf eine Hälfte entweder Himbeer- oder Pflaumenmarmelade streichen (nach dem original Himbeermarmelade, ich nehme immer Pflaume, weil die Konditoren in Estland Pflaume nehmen). Die zweite Hälte darauf legen. Es empfielt sich den Kuchen jetzt in die Stücke zu schneiden, weil er eventuell hinterher zu hart dafür ist. Zuckerguss vorbereiten.

Zuckerguss
180 - 200 g Puderzucker
1-2 EL Zitronensaft
2 EL Wasser
nach Wunsch Kakaopulver o. roten Saft zum Färben

Puderzucker in ein Schüssel sieben, Zitronensaft dazu geben (man kann auch ohne machen), Schritt für Schritt Wasser dazumischen, bis der Guss die nötige Dichte hat.

Möchte man einen Zuckerguss in Rosa haben, sollte man einen Teil von Wasser mit Himbeersaft ersetzen. Für einen braunen Zuckerguss einfach Kakaopulver dazumischen.

Sobald der Kuchenboden nicht mehr heiß ist, Zuckerguss darübergeben und glattstreichen. Mann kann auch Muster drauf tun, so wie ich oder so wie hier Dafür Streifen in anderer Farbe auf den noch weichen Zuckerguss ziehen und mit der Messerspitze (ha-ha, jetzt geht mir der Wortschatz aus...) kreutzweise? abwechselnd von links und rechts durch diese Streifen ziehen. Na wenn man das Bild sieht, dann kann man's sich auch ohne Worte vorstellen.

Wenn der Zuckerguss hart geworden ist, den Kuchen mit Folie decken und im Kühlen 2-3 Tage stehen lassen. Dann sollte es am bessten schmecken!
Meiner ist so in den Kühlschrank gewandert.
Sleeping Beauty!
Ist eine richtige Kalorienbombe wegen all der Butter und Zucker! Man sollte einfach wenig Kuchen für viele Esser machen! Ich bin sehr gespannt, wie die marokanisch-egyptische Familie, die wir am Sonntag besuchen wollen, den Kuchen findet. Araber essen ja eigentlich gerne Süßes, aber man darf nie verallgemeinern.

Werde ich in Deutschland unterdrückt?

Nach dem brutalen Mord an Schwester Marwa in Dresden spricht die islamische Gemeinde über die Unterdrückung der muslimischen Frau in Europa. Da sind Stimmen laut geworden, die berichten, dass die Lage ziemlich schlimm ist. Gerechtigkeitshalber muss man aber auch Positives bekannt werden lassen.

Da ich logischerweise nicht abergläubisch bin, werde ich gleich klarstellen: Ich werde nicht besonders unterdrückt! Ich bin noch nie wegen meines Hijabs beschimpt worden. Ich habe mit Hijab studieren können. Ich habe einen Job, wo ich Hijab tragen und sogar meine Gebete verrichten kann. Ich nehme in meiner Umgebung kaum feindliches wahr. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Alhamdulillah!*

Es geht noch weiter. Nicht nur, dass ich trotz meines Hijabs einen Job bekommen habe. Ich habe schon mal fast NUR WEGEN meines Hijabs einen Job bekommen. Der Chef, der mich einstellte, hatte Probleme mit jungen Mädels, wie ich damals war, weil die während der Arbeit so viel mit männlichen Kollegen geflirtet haben, dass es die Arbeit der ganzen Mannschaft schadete. So hat er eine kopftuchtragende Muslima eingestellt, in der Hoffnung, dass sie sich anders benehmen wird. Und das habe ich getan.

Manchmal gibt es aber auch einiges, was darauf hinweist, dass es nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen ist. Als ich während des Studiums mal ein Stipendium beantragt habe und in dem ersten Formular (womit man eigentlich die richtigen Unterlagen beantragt, wo man dann erst genauer seine akademische Leistungen schildert, worauf es ja bei einem Stipendium ankommt oder ankommen sollte)... Faden verloren... Also habe ich in dem ersten Formular unter meiner gesellschaftlichen Engagement geschrieben, dass ich mich schon für die Verständigung zwischen Muslimen und der deutschen Gesellschaft eingesetzt habe und dies auch in der Zukunft gerne machen würde. Daraufhin bekam ich keine weiteren Unterlagen zugeschickt, sondern gleich eine Absage. OHNE das die Herrschaften irgendwas über meine Noten erfahren haben! Tjah... War halt so eine große Stiftung, eng mit SPD oder CDU verbunden. Kann mich nich mehr erinnern. Na, denen liegt wohl nichts an dieser Verständigung oder Integration. Die wollen sich gar nicht mit uns verbinden. Ok. Hab ich kapiert.

Und als ich dann gegen Ende meines Studiums angefangen habe mich um ein Job in meinem Fachgebiet zu bewerben, dann kam schon mal vor, dass auf eine Bewerbung mit Foto, wo ich natürlich mit Kopftuch abgebildet war, gar keine Antwort kam, obwohl ich laut eines vorangehenden Telefonats für die Stelle durch meine Muttersprache besonders gut geeignet war. Tjah... Soll ja öfters vorkommen.

Bei meiner jetzigen Arbeit ist mein Hijab nie ein Problem gewesen. Bei der Bewerbungsgespräch stand ich zu meiner Religion, habe es extra in Worte gefasst. Die Firmenleitung wusste, dass mein Hijab auch nicht nur so da ist, sondern, dass ich meine Religion auch lebe. Ich wurde eingestellt. Ich darf bei der Arbeit beten. Sogar als wir mal einen Monat lang beim Mutterkonzern gearbeitet haben, fragte man vorher nach einem Gebetsraum für mich. Und auch da traf ich auf Toleranz und Verständnis. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Alhamdulillah!

Also, ich kann keine grausamen Geschichten berichten. Manchmal, als die anderen Musilminnen ihre erzählen, fühle ich sogar eine unlogische Enttäuschung, dass ich nicht meinen Senf dazu geben kann. Wie krank ist denn das!!! :)

Na ok, gelegentlich kommt ja auch vor, dass die Verkäuferin bei C&A, die eben zu der Kundin vor mir überschäumend nett war, plötzlich zum Schneekönigin wird, wenn ich dran bin.
Und bei einem Nebenjob während des Studiums kam mir zu Ohren, dass sich irgendwelche älteren Mitarbeiterinnen darüber aufgeregt hatten, dass gerade eine mit Koftuch in der Drogerieabteilung arbeitet. (Hallo! Wir mit Kopftücher waschen uns auch gelegentlich die Haare! Da bin ich wohl genausogut wie jede andere Frau imstande Shampoo einzuräumen!)
Und wenn ich in ein Flugzeug einsteige, steigt die Häufigkeit der schrägen Blicke, die man sowieso ab und zu erntet, gleich ums zehnfache.

Sowas gibt es. Das erlebt jede Frau mit Kopftuch. Aber das sind Kleinigkeiten. Unterdrückt werde ich nicht. Und hoffentlich bleibt es so. InschAllah!**

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*Alhamdulillah = gelobt sei Allah
**InschAllah = So Allah will

Donnerstag, 17. September 2009

Verstecktes Schwein

Habt ihr schon gewusst, dass auch ein Saft haram sein kann? Und nämlich, weil bei der Herstellung Schweine-Gelatine verwendet wurde. Näheres könnt ihr in dem folgenden Zitat von einer Sprecherin der Verbraucherberatung des Öko-Test-Verlags erfahren:

„In Fruchtsäften können, wie auch in Wein oder Bier, Trübungen auftreten. Ursachen für die Trübungen sind Eiweiße, Pektine (gehören zu den Ballaststoffen) und phenolische Verbindungen (z.B. ätherische Öle oder einige Aromastoffe). Die Trübungen können mit Hilfe eines Klärhilfsmittels entfernt werden, zu diesen gehören Eialbumin, Kieselgur, Bentonit, Gelatine u.a. (aus: Lebensmittellexikon A-K, 1993, Behr´s Verlag). Nach Auskunft von Weinbau- und Fruchtsaft-Experten wird bei dieser so genannten Schönung in der Regel auch Gelatine eingesetzt. Es werden für 100 Liter Wein/Saft ca. 2 bis 5 g Gelatine benötigt. (…) Die Gelatine geht mit Trübstoffen eine Bindung ein (durch unterschiedliche Ladungen, Gelatine ist positiv geladen) und flockt aus. (…)
Zur Schönung von Saft/Wein wird ausschließlich Schweinegelatine verwendet. Der Grund dafür sind wesentlich bessere technische Eigenschaften gegenüber der Rindergelatine. Dadurch sind bei der Schönung mit Schweinegelatine wesentlich geringere Mengen notwendig, die Vorversuche sind einfacher durchzuführen und die Kosten geringer.“

(Soviel wie ich weiß, folgt die Seite Muslim-Markt die schiitische Richtung des Islam. Deswegen will ich hiermit keine Werbung für die Seite machen. Was aber das Thema Ernährung angeht, enthält die Seite viele nützliche Informationen.)

Also kann man bei klaren Säften wie Apfel-, Kirsch- und Traubensaft davon ausgehen, dass sie mit Gelatine verarbeitet worden sind. Über Eistee habe ich keine Angaben.
Im Internet kann man einige Listen finden, wo die Säfte ohne Gelatine oder Säfte, die mit Fisch-Gelatine geklärt worden sind, aufgelistet sind. Nützlich sind da auch Vegetarier-Webseiten.
Hier ein kurze Liste, die ich mal irgendwo im Netz gefunden habe:

Pfanner - Alle Produkte (ob hier nur Säfte oder auch deren Eistee-Sorten gemeint sind, weiß ich nicht.)
Rauch - Alle Produkte 
Natreen - Alle Produkte 

granini / gr Trinkgenuß - Mango
granini / gr Trinkgenuß - Orange-Ananas
granini / gr Trinkgenuß - Orange-Mango
granini / gr Trinkgenuß - Orange
granini / gr Trinkgenuß - Orangensaft mit Fruchtfleisch
granini / gr Trinkgenuß - Orangensaft ohne Fruchtfleisch
granini / gr Trinkgenuß - Pfirsich
granini / gr Trinkgenuß - Pfirsich 50% PET
granini / gr Trinkgenuß - pink Grapefruit
granini / gr Trinkgenuß - Tomate
granini / gr Trinkgenuß - Zitrone
granini Gemüse-Mix-Gemüsemix / Gemüsesaft
granini Tomate-Tomatensaft
granini Cuaro-Mehrfrucht
 
hohes C - Apfel-Acerola-Saft naturtrüb
hohes C - mit Calcium
hohes C - Orangensaft mit Fruchtfleisch 
hohes C - Orangensaft
hohes C - milde Orange
hohes C - Frühstückssaft
hohes C - Mineralaktiv
hohes C - Vital Apfel Pfirsich Maracuja
hohes C - Vital Traube Kirsche
hohes C - Vital Birne Mango
hohes C - Multivitamin (mit Fischgelatine)
hohes C - Multivitamin Mild (mit Fischgelatine)
 
FruchtTiger - wilde Kirsche
FruchtTiger - Winterspaß 
FruchtTiger - roter Beeren Mix 50%

Übrigens, Vorsicht mit Punica. Ich habe im Internet widersprühliche Aussagen gelesen. Einmal habe ich selbst bei Punica angerufen, da galt es: alle Punica-Säfte, die Apfelsaft enthalten sind auf jedem Fall mit Gelatine geklärt.
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Mehr zum Thema Halal-Haram hier:

Montag, 14. September 2009

Räucherlachs-Suppe

Wie bereits erwähnt, habe ich vor kurzem aus mehreren Rezepten und Eigenideen eine Räucherlachs-Suppe zusammengestellt. Die schmeckt wie verflüssigter Räucherlachs!

Zutaten:
5 mittlere oder größere Kartoffeln
2 Karotten
1 Stange Porree oder Zwiebeln nach Wunsch
200 ml Sahne
1 l Gemüsebrühe
200 g Räucherlachs
250 g Lachs
Saft von einer halben Zitrone
100 g geriebene Käse (oder Schmelzkäse)
etwas Butter und Pfeffer

Lachs (den frischen oder tiefgefrorenen, nicht Räucherlachs) mit Zitronensaft übergießen, etwas Pfeffer draufstreuen und mindestens 30 Minuten stehen lassen.

Porree in dünne Scheiben schneiden. Kartoffeln und Karotten schälen und ebenfalls in Scheiben schneiden.
Butter im Topf schmelzen lassen und Porree oder Zwiebel darin leicht anbraten. Kartoffeln, Karotten, Brühe, Sahne und Räucherlachs hinzufügen. Etwa 20 Minuten kochen lassen, bis das Gemüse gar ist. Vom Feuer nehmen.

Wenn man wünscht, dass in der Suppe am Ende Kartoffel- und Karottenstückchen sind, sollte man jetzt einen Teil der Gemüse rausnehmen. Die restliche Suppe mit Stabmixer cremig pürieren.

Den Topf wieder auf das Feuer stellen. Schritt für Schritt Käse hinzufügen. Lachs in Würfel schneiden und in die Suppe geben. Kochen, bis der Lachs gar ist. Kurz bevor man die Suppe vom Feuer nimmt noch das restliche Gemüse zurück in die Suppe geben.

Fertig! Guten Appetit!

Sonntag, 13. September 2009

Reaktion

Letzte Woche hat eine Arbeitskollegin mit mir über das Fasten geprochen. Und wie immer kam es dann zu dem Punkt, wo ich den typischen Satz höre:

"Ach, ihr dürft nicht einmal Wasser trinken?!!!"

Ich habe von diesem Satz schon die Nase voll. Ich habe dieses Jahr genau deswegen versucht unbemerkt zu Fasten - so satt habe ich die Reaktion. Na, hat ja nicht ohne sein müssen.

Die Kollegin hat dann schnell ihre Meinung geäußert, wie ungesund es doch sei. Ich habe dummerweise nur resigniert geantwortet: "Dazu werde ich nichts sagen. Es ist eine Frage des Glaubens." Ich glaube nämlich nicht, dass Allah uns etwas auferlegen würde, was ungesund ist. Es gibt so viele Beispiele in Islam, die das Beweisen. All die Ausnahmen z. B., wer nicht fasten soll.

Meine Antwort gibt mir aber keine Ruhe. Wie hätte ich besser antworten können? Die westliche Welt hat längst verstanden, welcher Nutzen darin steckt, eine Weile aufs Essen zu verzichten. Das Trinken d. h. Wassertrinken wird aber ständig propagiert und sogar überpropagiert.

Ich habe dann mit einer muslimischen Freundin darüber gesprochen und sie meinte, wir leiden im Ramadan gar nicht unter so einer Wassermangel. Wer sich nach dem Fastenbrechen richtig ernährt, bekommt auch die nötige Menge Flüssigkeit: ein bisschen Wasser gleich nach dem Fastenbrechen, dann eine Schüssel Suppe, vielleicht etwas Salat und Obst, zwischendurch immer wieder Wasser und dann beim Suhur (Frühstück vor Fastenbeginn) der letzte Schluck. Auf wieviel Liter kommt man so?

Welt-Online:

Ernährungswissenschaftler und Ärzte sehen den großen, nationalen Durst inzwischen mit Skepsis. „Zwei bis drei Liter am Tag“, diese Faustregel aus den Gesundheitsblättchen ist überholt. Neue Erkenntnisse machen die Weisheit „Je mehr Wasser, desto besser“ ungefähr so wertvoll wie alles, was mit der Wasserspülung den Bach runtergeht. Inzwischen gilt unter Ernährungsspezialisten die Regel: Bei zu viel Wasser säuft die Gesundheit ab. 

Die offiziellen Empfehlungen liegen weit unter den beschworenen zwei bis drei Litern täglich. So erachtet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn 1,5 Liter am Tag als sinnvolles Maß für Erwachsene. Einen Teil seines Durstes stillt der menschliche Körper nämlich aus halbflüssigen und festen Nahrungsmitteln: aus Obst, Gemüse oder aus Suppe. Den Rest des Wasserhaushaltes bestreitet der Mensch aus seinen körpereigenen Stoffwechselprozessen – dabei fällt sogenanntes Oxidationswasser an, das ebenfalls den Körper speist. Unterm Strich kommen die Mediziner auf 2,6 Liter, die die Niere täglich durchspülen.
Quelle

Na, die 1,5 Liter kriegt der Fastende locker hin! Problem gelöst!

Bin beim Recherschieren auf eine witzige Geschichte gestoßen. Im Gesundheitsforum von  www.med1.de schreibt der Nutzer WodKa_007:

 

hi! habe gerade mal dehydration hier bei med "gegoogelt". 
weil ich auch am fasten war, ohne was zu trinken. 
Fast 48h. 
Aber ich kann es wirklich nicht empfehlen. hatte mich leider vorher nicht genug mit dem Thema fasten auseinander gesetzt - sonst hätte ich sicher gewusst, das man viel flüssigkeit braucht.  

ich trinke täglich für normal leider auch nicht mehr, als ein halbes glas wasser aber jetzt ........ die 42 h die ich durchgehalten haben waren echt hart. es hätte fast im krankenhaus geendet - weil ich kein hunger- oder durstempfinden mehr hatte. 
zusätzlich habe ich noch geschwitzt und mein herz war nur noch total am rasen. Musste sogar in der Schule den Raum verlassen, weil mir schwarz vor augen wurde und ich total das kribbeln in meinen händen hatte. Meine Freundin wollte schon den Notarzt rufen - weil sie meinte ich hätte aussetzer gehabt. 

Als ich dann ins Internet ging habe ich gesehen, das man einen "Test" zur dehydration machen kann. 
Man nimmt an einem teil, wo "lose" haut ist eine Falte und drückt sie zu sammen. Ich habe das an meinen Fingern gemacht. 
Wenn man dehydriert, dann bleibt die Haut so stehen, weil die Zellen so zusammen geschrumpelt sind. 

Ja, und meine Haut hat sich überhaupt nicht bewegt und blieb so stehen. 
Habe sofort angefangen zu trinken und habe zum Glück wieder meinen Wasserhaushalt wieder richtig im Griff. Zum Glück.

 
Ich als Fastende habe dann den gleichen Test gemacht und raten sie was: Ich habe noch nie eine so elastische Haut gesehen! :)

Samstag, 12. September 2009

Ramadan-Suppen

Wir machen dieses Jahr einen Suppen-Ramadan. Die Logik liegt darin, dass Suppen reichlich Flüssigkeit liefern, nicht schwer im Magen liegen und alles Mögliche an gesundes Zeug enthalten.

Eine liebe Freundin von mir kocht im Ramadan immer Harira. Ich habe mir auch den Rezept geben lassen. Als ich mir aber alle Zutaten angehört hatte, war ich total überfordert: da waren mindestens 3 Sachen dabei, die ich noch nie beim Kochen verwendet hatte und von denen ich nichteinmal wusste, wie die schmecken. (Ich muss dazu sagen, ich bin eine eher bescheidene Köchin: Ich kriege schon einige leckere Sachen hin, aber da mein Mann bei uns der Chefkoch ist, muss ich mich auch nicht sehr bemühen und vieles dazulernen.) Ich denke, ich probiere zuerst bei der Freundin die Suppe und erst dann werde ich versuchen es nachzukochen.

Ohne Harira heißt aber nicht ohne Suppe. Wir haben hier mit meinem Mann schon einiges zusammengekocht. Auf dem Bild ist die Tomatensuppe meiner Schwester. Ich kriege die zwar noch nicht so gut hin, wie sie, aber es ist trotzdem sehr lecker.

Ich habe auch noch eine goldene Kartoffelsuppe mit Hänchenfleisch gekocht (nach einem estnischen Rezept) und eine Räucherlachssuppe. Die zweite Suppe ist fast meine Eigenkreation. Vier unterschiedliche Rezepte haben nicht das versprochen, was ich erwartet habe und so habe ich das Beste von jedem genommen und einige eigenen Ideen noch dazu. Ist sehr lecker geworden! Die Rezepte werde ich, inschAllah auch alle hintereinander hier aufhängen.

Mein Mann kocht nie nach Rezepten, seine Speisen sind also IMMER Eigenkreationen. Und so haben wir auch in diesem Ramadan schon ein Paar Mal seine Erfindungen essen können. Alles leckere Gemüsesuppen, wo auch Fleisch nicht fehlt. Seine Rezepte werde ich nicht aufhängen. Die sind irgendwo in seinem Kopf. Ich lasse die sein Geheimnis bleiben.

Donnerstag, 10. September 2009

Ich fange mit einer Ramadangeschichte an

Eine Arbeitskollegin hat mir letzte Woche die folgende Szene beschrieben.

Sie macht gerade in einer Schule ihr Praktikum und betreut eine zweite Klasse. In dieser Klasse ist ein Mädchen, das fastet wie die Erwachsenen. Selbst 8 Jahre alt, aber fastet jeden Tag. Die Kollegin wusste nicht, ob sie es aus freien Stücken tut oder ob sie "gezwungen" wird.

In der gleichen Klasse ist ein hochbegabter Junge, auch aus einer muslimischen Familie. Er ist erst 6 Jahre alt - hat die erste Klasse wohl übersprungen.
An einem warmen Tag, als das fastende Mädchen in der Pause nicht mit anderen rausgegangen ist, um zu Spielen, sondern in der Klasse sitzen blieb, damit sie keinen Durst bekommt, sagte der kleine Junge zu ihr: "Allah will gar nicht, dass du fastest. Er verlangt es nicht von dir! Wenn deine Mutter es von dir verlangt, dann kann sie mit meinem Vater sprechen - er erklärt es dann ihr."
Dann setzte der Junge sich zu dem Mädchen, holte seine Brotbox raus und sagte: "Allah will, dass wir es teilen!"

Was für eine Erziehung, was für ein Iman!
 

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